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Sie waren schon mal in St. Petersburg ? Irgendwann im Juli ? Sie haben keine Ahnung von dieser Stadt !
Von Mitte Dezember bis Mitte März - 3 lange Monate lang - hat Väterchen Frost die nördlichste Millionenmetropole der Erde fest im Griff. Es ist die schönste Jahreszeit dort. Petersburg im Sommer mag südländisch, leicht, schön un Bis morgens um 10 Uhr ist es dunkel und dann schiebt sich die Sonne flach über den oft stahlblauen Horizont. Sind es nachts oft unter -20 °C , so wird es tagsüber an vielen Tagen nur wenige Grad wärmer. Schon um 16 Uhr nachmittags verschwindet die Sonner wieder nach kurzer Abenddämmerung.
Wer die besondere Atmosphäre im Winter, den geruhsamen Lebensstil und die manchmal zum Weinen schönen Winterlandschaften einmal erlebt hat, der versteht, warum ich sage, daß nur der Rußland kennt, der es einmal im Winter berreist hat. Die Kälte ist dabei übrigens ganz gut zu ertragen. Die richtige warme Kleidung ist wichtig. Dadurch, daß es erstaunlich wenig Niederschlag (Schnee) im Winter gibt und die Temperaturen nicht wie bei uns zwischendurch mal zu Tauwetter umschlagen, sondern wirklich weit unter Null bleiben, fühlt sich die trockene Kälte nicht so lästig an, wie unser übliches naßkaltes Wetter daheim in Deutschland. Was Sie schon brauchen: Einen warmen Mantel (d.h. etwas, daß über den Po reicht), einen Schaal, lange Unterwäsche und vernünftige Hosen. Wußten Sie, daß Jeans völlig ungeeignet sind ? Die werden steif und frieren ein. Besser ist die gute alte Cordhose und natürlich auch die neueren Thermohosen. Ach ja: Eine Mütze, die über die Ohren geht, wäre auch gut. Haben Sie nicht ? Macht nichts. In St. Petersburg kann man fantastische Pelzkappen günstig kaufen und dann verstehen, warum das eine segensreiche Sache ist. Der Winter ist eigentlich keine Zeit für das Stadtzentrum, über matschige Straßen zu schlendern macht bei extremer Kälte wirklich keinen Spaß. Jetzt - im russischen Winter - verstehen Sie plötzlich, warum die Russen schon vor 200 Jahren Ihre feinen Einkaufspassagen alle unter Dach gelegt haben. Jetzt - im russischen Winter - versteht man, warum die Menschen lieber in den großen Parks von Pushkin, Oranienburg oder die Stadtparks spazieren gehen. Da läßt sich draussen flanieren, da ist es ruhig und schön.
Die St. Petersburger haben mit den Jahrhunderten eine geradezu schizophrene Haßliebe zu Ihrem Wetter entwickelt. Das Eisbaden für Groß und Klein ist ein Ausdruck davon, die Liebe zum winterlichen Gang in die Banja (russische Saunavariante) ein anderer.
Das Leben mit diesem extremen und harten Wetter möchte kein echter Petersburger wirklich missen. Ich habe einen guten Bekannten, Mischa, der viel Geld verdient hat. Dann ist er nach Spanien gezogen, um "nie wieder einen kalten Winter erleben zu müssen". Nach 2 Jahren hat er seine Wohnung bei Marbella verkauft und baut im Moment ein Haus in einer Vorstadt Petersburgs am finnischen Meerbusen. "Weißt Du, ich habe das alles hier vermisst. Elend vermisst. Besonders die Jahreszeiten, immer nur Sommer - wer braucht das ?". Da ist weiter nichts hinzuzufügen.
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Copyright © 2000 "Unsere Datscha in Toksovo", Maria & Klaus Horst
Philipp (Adresse)
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